Verehrtes Präsidium, meine Damen und Herren,
seit Jahren wird die Entwicklung des Geländes der Hamburg-New Yorker mit einem Argument begründet bzw. verzögert: Nitrosaminbelastung. Seit Jahren hören wir, das sei ein zentraler planungsrelevanter Faktor. Das trifft zweifellos zu.
Seit Jahren aber fehlt genau das, was man dafür eigentlich bräuchte: eine transparente, belastbare Datengrundlage.
Wir haben als FDP-Fraktion im Januar sehr konkret nachgefragt: Welche Stoffe liegen vor? In welchen Konzentrationen? Nach welchen Maßstäben wird bewertet? Die Antwort: keine Zahlen.
Nicht, weil es sie nicht gäbe – sondern weil sie selbst dem städtisch beauftragten Gutachter im Jahr 2024 nicht vorlagen. Die vorliegende fachgutachterliche Stellungnahme arbeitet folglich nicht mit den tatsächlichen Standortdaten, sondern mit Vergleichswerten.
Das heißt im Klartext: Wir führen hier seit Jahren eine planerische Debatte über ein zentrales Stadtentwicklungsprojekt – ohne belastbare Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse vor Ort.
Stattdessen wird gearbeitet mit Annahmen und Modellrechnungen und Zielwerten, die unterhalb der Nachweisgrenze liegen – also faktisch nicht überprüfbar sind.
Meine Damen und Herren, das ist keine Grundlage für verantwortliche Planung. Und wir wissen, dass es auch anders geht: In Hannover, auf dem ehemaligen Conti-Gelände in der Wasserstadt Limmer, gab es eine vergleichbare Situation: Altgebäude, Nitrosaminverdacht, nichtöffentliche Gutachten – und jahrelanger Stillstand.
Die Konsequenz war klar: Die Stadt gab ein weiteres, unabhängiges toxikologisches Gutachten in Auftrag. Und dieses Gutachten hat – nach allem, was dort berichtet wurde – eine Nutzung der Gebäude in Gänze ermöglicht. Das heißt nicht zwangsläufig, dass die ursprünglich kolportierten Belastungen so nie bestanden haben. Eines ist ebenso plausibel: Wenn Stoffe über viele Jahre ausgasen, verändert sich auch die Belastungslage – möglicherweise deutlich. Auch deshalb tut Nachmessen Not.
Unser Antrag ist deshalb nichts anderes als der Versuch, wieder auf eine sachliche Grundlage zurückzukommen.
Wir fordern eine unabhängige, aktuelle Untersuchung. Und wir fordern, dass die weitere Planung auf realen Daten basiert – nicht auf Modellannahmen.
Es ist eine Frage politischer Verantwortung, hier nicht ohne gesicherte Erkenntnisse vorzugehen und damit nicht zuletzt große Mengen grauer Energie, die in diesen massiven Bauten gebunden ist, vielleicht unnötig zur Disposition zu stellen.
Ich bitte um Zustimmung.