Das Gelände der ehemaligen New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie – die sogenannte „Gummikamp“ – ist eines der zentralen Entwicklungsprojekte im Harburger Binnenhafen. Zugleich ist es ein Beispiel dafür, wie sehr Stadtentwicklung von belastbaren Grundlagen abhängt.
Seit Jahren wird die weitere Planung maßgeblich mit einer möglichen Nitrosaminbelastung im Mauerwerk begründet. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Die Bewertung stützt sich bislang vor allem auf Modellrechnungen und Vergleichsdaten aus anderen Industrieanlagen. Eine aktuelle, standortbezogene Vollerhebung fehlt. Selbst vorhandene Messdaten wurden nicht vollständig einbezogen. Das haben wir als FDP-Fraktion mit einer Anfrage aufgegriffen – und damit erhebliche Unklarheiten offengelegt.
Darauf aufbauend haben wir einen Antrag eingebracht, der eine unabhängige, transparente und vor allem standortbezogene Neubewertung fordert. Es braucht konkrete Messungen im Bestand, eine nachvollziehbare Analyse der tatsächlichen Belastung und eine Bewertung nach geltenden gesundheitlichen und baurechtlichen Maßstäben. Nur so entsteht die Grundlage für verantwortliche Entscheidungen. Das ist uns wichtiger, als sich bei vergleichbaren Flächen z.B. der Wasserstadt Limmer in Hannover zeigte, das die ursprünglich kolportierte Belastung so gar nicht (mehr) vorliegt.
Für mich ist das auch eine Frage politischer Haltung – und damit eine Frage der 5K:
- Klären: Bevor entschieden wird, müssen die Fakten auf den Tisch. Ohne belastbare Datengrundlage bleibt jede Planung angreifbar.
- Kommen: Die Gummikamp ist ein Schlüsselstandort für die Entwicklung des Binnenhafens. Ihre Zukunft beeinflusst, wie attraktiv und erreichbar Harburg insgesamt bleibt.
- Kapital: Investitionen brauchen Verlässlichkeit. Wer hier entwickeln soll, braucht Planungssicherheit statt offener Grundsatzfragen.
- Können: Verwaltung und Politik müssen zeigen, dass sie komplexe Projekte fachlich sauber steuern können – mit Transparenz und Professionalität.
- Kümmern: Am Ende geht es auch um die Menschen vor Ort – um Gesundheitsschutz, aber auch um die Chance auf neuen Wohn- und Arbeitsraum.
Die Gummikamp darf kein Dauerprovisorium bleiben. Harburg braucht Entwicklung – aber auf einer soliden, überprüfbaren Grundlage. Mein Ansatz: Erst klären, dann entwickeln.
Ich hielt dazu eine Einbringungsrede vor der Bezirksversammlung. Diese finden Sie hier. Unsere Anfrage hier und unseren Antrag hier.
In grundsätzlicher Form habe ich über die Gummikamp hier geschrieben.